März 2012

Nicht jedes Brautkleid ist weiß! (70)

Kireperinnen beim Tag der offenen Werkstatt in der Berliner Maßschneiderei für Brautkleider & Damenmode „la petite Marie“ in Berlin-Prenzlauer Berg

„Ich werde Schneiderin“. Das stand für Marie Fischert schon seit der Grundschule fest. Damals malte sie für ihre Klassenkameradinnen bereits Brautkleider. Nach der Schule lernte sie im OSZ Oberstufenzentrum für Bekleidung & Mode in der Berliner Kochstraße zuerst Modeschneiderin und dann Assistentin für Modedesign. Dann machte sie sich selbständig. In ihrer Werkstatt „la petite Marie – Die Berliner Maßschneiderei für Brautkleider & Damenmode“ in der Christburger Straße 47 ist sie seit anderthalb Jahren. Hier haben wir, die Kinderhausreporter Diana und Michelle, uns heute zum Tag der offenen Werkstatt am 3. März 2012 mit ihr verabredet.

 



„Voraussetzung für den Beruf einer Maßschneiderin ist die Liebe zu Stoffen und zum Handwerk, eine große Portion Geschick und die Lust, mit der Nähmaschine zu arbeiten“, antwortet Marie Fischert auf unsere erste Frage, welche Voraussetzungen man haben sollte, um Maßschneiderin zu werden. Wir wollen wissen, wie ein Brautkleid entsteht. „Die Kunden wissen meistens, was sie wollen, ob mit tiefem Ausschnitt, langer Schleppe oder vielen Details. Nicht jedes Brautkleid ist weiß“,  erzählt uns Marie Fischert. Das Anfertigen eines Brautkleids beginnt mit einem Gespräch, dass etwa eine Stunde dauert. Danach geht es in vier Stufen weiter. Zuerst wird ein Grundschnitt aus einem Probestoff gefertigt. Im 2. Schritt erfolgt die 1. Anprobe, bei der alles auf den Probestoff so aufgemalt wird, wie das Brautkleid aussehen und passen soll. Die nächste Anprobe erfolgt wieder in einem Probestoff-Kleid, das meistens von Praktikanten genäht wird. Im 4. Schritt wird das Kleid aus dem gewünschten Stoff, meistens aus Seide, genäht und noch einmal anprobiert. Dann folgen die Feinarbeiten. Insgesamt dauert das Brautkleid-Nähen acht Wochen. Auf die Frage, ob Marie Fischert ein Lieblingskleid habe, antwortet sie: „Es gibt Kleider, bei denen es großen Spaß macht, sie zu nähen, weil ungewöhnliche Stoffe verwendet werden.“ Noch nie hat jemand ein Brautkleid nicht abgeholt. Und noch nie hat jemand in ihrer Werkstatt seiner Freundin einen Heiratsantrag gemacht. Wird Marie die Erste sein? 

Wenn keine Hochzeitskleider genäht werden, entstehen Kleider, Blusen, Westen, Jacken und Hosenanzüge für Damen. Marie hat zwei Mitarbeiterinnen, Kathinka und Steffi, die halbtags bei ihr arbeiten. Katinka schneidet zu und Steffi näht. Die Werkstatt befindet sich im hinteren Raum. Dort gibt es einen großen Tisch, auf dem Stoffballen, Knöpfe, Scheren, Perlen und Borten liegen. Dort steht auch eine Knopfdruckmaschine.  Wir entdecken ein großes Bügeleisen und zwei Nähmaschinen. Als wir gefragt werden, ob wir ein farbiges Täschchen genäht haben wollen, freuen wir uns. Schnell entscheiden wir uns für einen pink- und lilafarbenen Stoff. Kathinka erklärt uns, wie die Tasche entsteht. Es sind vier Arbeitsschritte vom Zuschneiden über das Verstürzen, Nähen und Bügeln. Kathinka schneidet die Täschchen zu und Steffi näht. Nach einer halben Stunde sind sie fertig. Michelles lilafarbenes Täschchen bekommt noch ein pinkfarbenes „E“ draufgenäht, weil sie damit ihre beste Freundin Emine überraschen will. Diana liebt die Farbe „pink“. Ihr Täschchen wird mit einer pinkfarbenen Spitzenbordüre verziert. Zum Schluss wird an beiden Täschchen ein Knopf mit dem Schriftzug „la petite Marie“ angenäht. Stolz nehmen wir sie danach an uns.

Fast zwei Stunden haben wir in dem schönen kleinen Modeatelier verbracht und viel gelernt. Marie ist hübsch und supernett. Sie hat sich viel Zeit für uns genommen und uns alles prima erklärt. Wir bewundern ihre Brautkleider und wissen, dass wir viel zu ungeschickt für den Beruf einer Maßschneiderin sind.  

Diana und Michelle, unterstützt von BP

 

Fotos: la petite Marie

 

http://www.la-petite-marie.de